Cine.FiNUM.

Drehbuchpreis für neues Kino 2026

Zwei starke Stimmen für das Kino von morgen

Am 16. Oktober 2026 wurde im neu eröffneten Bellaria Kino in Wien erstmals der Cine.FiNUM. Drehbuchpreis für neues Kino verliehen. Der mit 5.000 Euro dotierte Hauptpreis ging an Melike Yagiz-Baxant für „Kinder Mafia“, den mit 2.500 Euro dotierten Jurypreis erhielt Mwita Mataro für „Jedermann“. Eine Special Mention ging an Roxana Stern für „Between Breaths“.

Roxana Stern, Harald Posch, Melike Yagiz-Baxant, Peter Payer, Samaranda Krings, Salma Abdalla und Eva Spreitzhofer

Geschichten, die ins Kino wollen

Der Cine.FiNUM. Drehbuchpreis für neues Kino zeichnet die Exposès von Autor*innen aus, die bereits einen ersten Kurzfilm realisiert haben und nun vor dem Schritt stehen, einen ersten abendfüllenden Kinofilm zu verfassen.

Initiiert und gestiftet von Ali Eralp, Vorstand der FiNUM.Private Finance AG, und in Kooperation mit dem Österreichischen Filminstitut (ÖFI) unter der Leitung von Roland Teichmann, unterstützt der Wettbewerb junge Autor*innen bei der Entwicklung ihrer ersten Langfilmstoffe.

Für die erste Ausgabe wurden Exposés zum Thema „Freundschaft“ gesucht. Voraussetzung war, dass die Autor*innen noch keinen Kino-Langfilm verfasst, aber bereits Kurzfilme eingereicht oder realisiert hatten. Im Mittelpunkt stand damit nicht das fertige Drehbuch, sondern der entscheidende Schritt von einer starken Filmidee zu einem tragfähigen Kinostoff.

Neben dem Preisgeld erhalten die beiden Hauptpreisträger*innen eine mehrmonatige dramaturgische Begleitung.

Die fünfköpfige Jury unter dem Vorsitz von Harald Posch bestand aus Eva Spreitzhofer, Salma Abdallah, Malina Nwaunbowor-Nnendi und Dirk Stermann.

 

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Hauptpreis: „Kinder Mafia“
– Melike Yagiz-Baxant

  • Was passiert, wenn der Versuch, einem Menschen zu helfen, plötzlich außer Kontrolle gerät?

    In „Kinder Mafia“ erzählt Melike Yagiz-Baxant von einer Gruppe junger Menschen, einer talentierten Fußballerin und den bürokratischen Hürden des österreichischen Asyl- und Aufenthaltsrechts. Was als konkrete Rettungsaktion beginnt, entwickelt sich über digitale Netzwerke zu einer anarchischen Intervention in ein System, das von bürokratischen Hürden und unbearbeiteten Einzelschicksalen geprägt ist.

    Der Stoff verbindet gesellschaftspolitische Dringlichkeit mit schwarzem Humor und starken Figuren. Die Jury überzeugte besonders die eigenwillige Verbindung aus anarchischer Satire und einer grundlegenden moralischen Frage: Was geschieht, wenn Menschen, die gegen ein ungerechtes System kämpfen, selbst Macht über die Lebensrealitäten anderer gewinnen?

    Die Figuren entstanden auf Basis intensiver Vorbereitungsarbeit und partizipativer Workshops mit Jugendlichen mit Zuwanderungsgeschichte.

    Die dramaturgische Begleitung übernimmt Malina Nwaunbowor-Nnendi.

    Über Melike Yagiz-Baxant

    Melike Yagiz-Baxant ist Filmemacherin und Performerin und lebt in Wien. Sie studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaften an der Universität Wien sowie Schauspiel und Performance am DiverCityLab. 2025 realisierte sie den Dokumentarfilm „Glückskinder“ und entwickelte das Solo-Theaterstück „Klinik“. Für ihr Solo „Glückskind“ erhielt sie 2024 beim United Solo Theatre Festival in New York den Best Physical Theatre Award.

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Jurypreis: „Jedermann“
– Mwita Mataro (Vertretung Samaranda Krings)

  • Ein junger Schwarzer Wiener, der Schauspieler werden will, eine Familie, die Verantwortung fordert, und die Suche nach dem eigenen Platz in einer Gesellschaft, die Zugehörigkeit nicht für alle gleichermaßen definiert: Das ist der Ausgangspunkt von Mwita Mataros „Jedermann“.

    Der autobiografisch geprägte Stoff verbindet Wamburas Selbstfindung mit seiner Freundschaft zu Fela und dem Gerichtsprozess seiner Mutter. Rassismus, Migration, Klassismus und toxische Männlichkeitsbilder werden dabei ebenso verhandelt wie die Frage, was es bedeutet, in Österreich dazuzugehören.

    Im Zentrum steht auch ein starkes kulturelles Symbol: der „Jedermann“ und damit eines der bekanntesten Bilder österreichischer Hochkultur. Mataro eignet sich diese Figur und ihre Welt aus einer Schwarzen österreichischen Perspektive an und stellt damit etablierte Vorstellungen von Identität und Zugehörigkeit infrage.

    Die Jury würdigte die künstlerische Eigenständigkeit, gesellschaftliche Relevanz und den Mut des Stoffes.

    Die dramaturgische Begleitung übernimmt Regisseur und Drehbuchautor Peter Payer.

    Über Mwita Mataro

    Mwita Mataro wurde 1993 in Salzburg geboren und lebt in Wien. Als Sänger der Indie-Rockband At Pavillon ist er international aufgetreten. Er ist außerdem Mitbegründer des Vereins ADOE und des Kulturvereins „one earth – one daham“.

    2025 feierte sein Dokumentarfilmdebüt „Austroschwarz“ bei der Diagonale Premiere. Auch „Jedermann“ greift auf persönliche Erfahrungen zurück und übersetzt sie in eine fiktionale Geschichte über Identität, Zugehörigkeit und gesellschaftliche Ausgrenzung.

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Special Mention: „Between Breaths“
– Roxana Stern

  • Mit einer Special Mention hob die Jury einen weiteren außergewöhnlichen Stoff hervor.

    In „Between Breaths“ wird die 30-jährige Roxana nach dem Tod ihrer Schwester bei Demonstrationen politische Gefangene in einem iranischen Frauengefängnis. Dort begegnet sie Amina, ihrer ehemaligen Jugendliebe – inzwischen arbeitet Amina für das Regime.

    Aus dieser Konstellation entwickelt Roxana Stern ein psychologisches Politdrama über Gefangenschaft, Loyalität und moralische Grenzsituationen. Zugleich macht die Special Mention die inhaltliche und stilistische Vielfalt der ersten Wettbewerbsausgabe sichtbar.

    Roxana Stern ist eine österreichisch-iranische Schauspielerin und Filmschaffende mit Wohnsitz in Wien. Sie arbeitet seit über 17 Jahren in Film und Theater und verbindet Performance, Regie und Produktion. Sie sammelte internationale Erfahrung in Wien und Los Angeles und realisierte eigene Projekte als Autorin, Regisseurin und Produzentin.

Ein Preis mit Blick nach vorn

Mit dem Cine.FiNUM. Drehbuchpreis ist ein Wettbewerb entstanden, der dort ansetzt, wo viele Filmprojekte erst beginnen: bei einer starken Idee und dem Potenzial, daraus einen Langfilm zu entwickeln.

Die nächste Ausschreibung des Cine.FiNUM. Drehbuchpreises ist für Frühjahr 2027 geplant.

Das war die Shortlist 2026: https://finum.at/drehbuchpreis-shortlist/

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